TOP CASINO EUROPEBrettspieleChinesische Poker

Chinesisches Poker - Regeln, Strategien und Varianten fuer deutsche Spieler

Lesezeit: 11 Min. Veröffentlicht: 30.05.2025 Aktualisiert: 22.04.2026
Maximilian Wagner
Chief Editor & Casino-Expert

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Kontakt mit Chinesischem Poker in einem kleinen Pokerclub in Hamburg. Waehrend sich die anderen Spieler zwischen den Turnieren erholten, sah ich vier Leute, die mit 13 Karten hantierten und diese in seltsamen Reihen vor sich aufbauten. Was auf den ersten Blick wie ein voellig anderes Spiel aussah, entpuppte sich als eine der taktisch anspruchsvollsten Pokervarianten ueberhaupt.

Chinesisches Poker unterscheidet sich fundamental von Texas Hold’em oder Omaha. Hier gibt es keine Setzrunden, kein Bluffen im klassischen Sinne und keine Gemeinschaftskarten. Stattdessen erhaelt jeder Spieler 13 Karten und muss diese in drei separate Pokerhaende aufteilen. Das klingt simpel, erfordert aber tiefes strategisches Denken und praezise Planung. Die Variante spricht sowohl Einsteiger an, die keine komplexen Setzstrukturen lernen muessen, als auch erfahrene Pokerspieler, die ein neues strategisches Betaetigungsfeld suchen.

Chinesisches Poker Kartenspiel mit drei Reihen von Pokerkarten auf grunem Filz

Ursprung und Geschichte des Spiels

Bei der Frage nach dem Ursprung von Chinesischem Poker wird es interessant, denn die Namensgebung fuehrt tatsaechlich in die Irre. Die klassische Form des Spiels ist zwar in asiatischen Laendern populaer, doch die heute weitverbreitete Open Face Variante stammt aus Finnland. Der russische Pokerprofi Alex Kravchenko brachte diese Version Anfang der 2010er Jahre nach Russland, wo sie sich rasch unter Turnierspielern verbreitete. Russische Profis fuehrten das Spiel anschliessend in der internationalen Pokerszene ein, weshalb es zeitweise auch als „Russian Chinese Poker“ bezeichnet wurde.

Bei der World Series of Poker in Las Vegas war Chinesisches Poker 1995 und 1996 als offizielle Bracelet-Veranstaltung vertreten. John Tsagaris gewann das $1.500 Event 1995, Steve Zolotow sicherte sich das $5.000 Turnier. Nach 1996 verschwand die Disziplin aus dem offiziellen WSOP-Programm, lebte aber als beliebtes Nebenspiel weiter. Die Spieler praktizierten es in Hotelzimmern, Bars und ueberall dort, wo ein Tisch fuer die Kartenreihen zur Verfuegung stand. Ab 2012 erschienen dann Apps fuer Smartphones, die dem Spiel eine neue Verbreitungswelle bescherten.

Grundregeln und Spielablauf

Am Tisch nehmen zwei bis vier Spieler Platz, gespielt wird mit einem Standard-Kartendeck von 52 Blatt ohne Joker. Jeder Teilnehmer erhaelt verdeckt 13 Karten und muss diese in drei separate Haende aufteilen. Die hintere Hand (Back Hand) besteht aus fuenf Karten und muss die staerkste Kombination bilden. Die mittlere Hand (Middle Hand) umfasst ebenfalls fuenf Karten und muss schwaecher sein als die hintere, aber staerker als die vordere Hand. Die vordere Hand (Front Hand) enthaelt nur drei Karten und muss die schwaechste sein.

Diese aufsteigende Wertigkeit ist zwingend einzuhalten. Wer dagegen verstoesst, etwa indem die mittlere Hand staerker als die hintere ausfaellt, hat ein „Foul“ begangen und verliert automatisch gegen alle Gegner. Bei der vorderen Hand mit nur drei Karten zaehlen weder Straights noch Flushes – hier sind nur Hohe Karte, Paar und Drilling moeglich. Nach dem Aufteilen legen alle Spieler ihre drei Haende offen auf den Tisch, wobei die hintere Hand am naechsten zum Spieler liegt, darueber die mittlere und ganz oben die vordere.

Anschliessend werden die Haende verglichen: Die vordere Hand jedes Spielers tritt gegen die vorderen Haende aller anderen an, ebenso die mittleren und hinteren. Fuer jeden gewonnenen Vergleich erhaelt der Spieler einen Punkt. Gewinnt jemand alle drei Vergleiche gegen einen Gegner, ist das ein „Scoop“ und bringt Bonuspunkte.

Punktesysteme im Detail

Das klassische Punktesystem beim Chinesischen Poker folgt einer einfachen Logik: Ein gewonnener Vergleich bringt einen Punkt, ein Scoop drei zusaetzliche Punkte. Wer also alle drei Haende gegen einen Gegner gewinnt, erhaelt sechs Punkte (drei fuer die Einzelsiege plus drei Bonus). Dieses System wird als „1-6 Scoring“ bezeichnet. Verliert ein Spieler alle drei Haende, zahlt er entsprechend sechs Punkte an den Gegner.

Eine Alternative stellt das „2-4 System“ dar. Hier erhaelt der Gewinner von zwei aus drei Haenden zwei Punkte, bei einem Scoop sind es vier. Die Punktunterschiede fallen moderater aus, was die Varianz reduziert. Beide Systeme haben ihre Befuerworter, und vor Spielbeginn sollten sich alle Beteiligten auf eine Variante einigen. Der Wert eines Punktes wird ebenfalls im Vorfeld festgelegt – ob ein Punkt einem Euro, zehn oder hundert entspricht, haengt von den Praeferenzen der Spieler ab.

Zusaetzlich zu den Grundpunkten existieren „Royalties“ – Bonuspunkte fuer besonders starke Haende. Ein Drilling in der Front Hand, ein Full House in der Middle Hand oder ein Vierling in der Back Hand werden extra verguetet. Die konkreten Werte variieren je nach Hausregel oder Plattform. Bei einem Foul verliert der betroffene Spieler nicht nur alle Royalties, sondern zahlt auch sechs Punkte an jeden Gegner ohne Foul.

Open Face Chinese Poker

Die Open Face Variante hat das Spiel revolutioniert und ist heute unter Profis populaerer als die klassische Version. Der entscheidende Unterschied: Die Spieler erhalten ihre Karten nicht alle auf einmal, sondern schrittweise. Zu Beginn bekommt jeder fuenf Karten, die offen auf dem Tisch platziert werden muessen. Danach wird reihum jeweils eine Karte nachgelegt, bis alle 13 Positionen gefuellt sind.

Das offene Auslegen veraendert die Dynamik grundlegend. Da die Karten der Gegner sichtbar sind, koennen Spieler ihre Strategie anpassen, Outs berechnen und riskante Spielzuege besser einschaetzen. Gleichzeitig steigt die Gefahr eines Fouls erheblich. Wer beim klassischen Chinesischen Poker alle 13 Karten sieht, kann seine Haende sorgfaeltig planen. Bei Open Face muss man oft hoffen, dass die noch kommenden Karten die gewuenschten Kombinationen vervollstaendigen.

Die Reihenfolge der Kartenplatzierung ist endgueltig – einmal gelegte Karten duerfen nicht mehr verschoben werden. Diese Regel zwingt Spieler zu schwierigen Entscheidungen: Legt man ein Paar Damen direkt in die Front Hand und riskiert, in der Middle keine bessere Kombination zu erreichen? Oder spielt man konservativer und verzichtet auf potenzielle Royalties?

Pineapple OFC – Die schnelle Variante

Pineapple Open Face Chinese beschleunigt das Spiel und macht es noch actionreicher. Nach den ersten fuenf Karten erhaelt jeder Spieler pro Runde drei Karten statt nur einer. Davon werden zwei gelegt und eine verdeckt abgeworfen. Statt acht Nachlegerunden wie beim Standard-OFC sind es nur noch vier, was die Spieldauer deutlich verkuerzt.

Diese Variante funktioniert optimal mit drei Spielern, da der Kartenverbrauch hoeher ausfaellt. Die Haende werden im Durchschnitt staerker als beim regulaeren OFC, weil Spieler mehr Auswahlmoeglichkeiten haben. Flushes und Full Houses erscheinen haeufiger, was die Schwellenwerte fuer erfolgreiche Haende nach oben verschiebt. Ein Paar Damen in der Front Hand, beim Standard-OFC ein solides Ergebnis, genuegt bei Pineapple oft nicht mehr fuer einen Sieg.

Die Surrender-Option gewinnt bei Pineapple an Bedeutung. Wer eine hoffnungslos schwache Starthand erhaelt, kann aufgeben und zahlt pauschal drei Punkte an jeden Gegner. Das klingt teuer, ist aber guenstiger als ein wahrscheinliches Foul, das sechs Punkte kostet. Die Entscheidung erfordert schnelle Wahrscheinlichkeitsabschaetzungen – lohnt sich das Risiko, oder ist der geordnete Rueckzug die klügere Wahl?

Fantasyland – Der Bonusmodus

Fantasyland ist ein Spielelement, das bei Open Face und Pineapple zum Einsatz kommt und einen besonderen Anreiz schafft. Wer seine Front Hand mit einem Paar Damen oder hoeher abschliesst, ohne zu foulen, qualifiziert sich fuer Fantasyland. In der naechsten Runde erhaelt dieser Spieler alle 13 (bei Pineapple 14) Karten auf einmal und kann sie wie beim klassischen Chinesischen Poker verdeckt aufteilen, waehrend die anderen normal spielen.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit allen Karten vor Augen laesst sich die optimale Aufteilung finden, waehrend die Gegner unter Unsicherheit leiden. Bei Pineapple gelten fuer das Verbleiben in Fantasyland strengere Anforderungen. Ein Drilling in der Front Hand oder ein Vierling in der Back Hand sind noetig, um erneut alle Karten auf einmal zu erhalten. In manchen Varianten steigt die Kartenzahl mit der Staerke der qualifizierenden Hand – Koenige bringen 15, Asse 16 und ein Drilling 17 Karten.

Das Streben nach Fantasyland beeinflusst die gesamte Spielstrategie. Manche Spieler gehen aggressive Risiken ein, um Damen oder besser in die Front Hand zu bekommen. Dieser Ansatz kann sich auszahlen, fuehrt aber oft zu Fouls, wenn die restlichen Karten nicht mitspielen. Erfahrene Spieler waegen ab: Wie wahrscheinlich ist die Qualifikation, und welche Konsequenzen drohen bei einem Scheitern?

Strategische Grundlagen

Die fundamentale Strategie beim Chinesischen Poker lautet: Balance halten. Eine Monster-Hand in der Back Hand nuetzt wenig, wenn die Front und Middle Haende schwach ausfallen und dort Punkte verloren gehen. Gleichmaessig starke Haende in allen drei Positionen sichern mehr Punkte als eine Extremverteilung.

Statistische Analysen zeigen interessante Verteilungsmuster: Die Front Hand enthaelt in knapp 50 Prozent aller Faelle ein Paar. Theoretisch liesse sich in ueber 90 Prozent der Haende ein Paar in die Front legen, doch das wuerde die anderen Positionen meist zu stark schwaechen. Die Middle Hand entspricht in ueber 60 Prozent der Faelle zwei Paaren oder weniger, weshalb die Qualitaet dieser Kombinationen entscheidend wird. Die Back Hand haelt in mehr als einem Drittel aller Faelle ein Full House oder besser.

Beim Open Face kommt die Positionierung hinzu. Wer spaeter an der Reihe ist, sieht mehr Informationen und kann seine Entscheidungen besser anpassen. Der Spieler links vom Button agiert zuerst und operiert unter groesserer Unsicherheit. Diese Positionsnachteile lassen sich durch solides, defensives Spiel minimieren.

Haeufige Fehler vermeiden

Einsteiger neigen dazu, zu stark auf die Back Hand zu fokussieren. Sie jagen Flushes oder Straights und vernachlaessigen dabei die anderen Positionen. Am Ende steht vielleicht eine starke Back Hand, aber Front und Middle fallen so schwach aus, dass der Gesamtscore negativ wird. Die gegenteilige Strategie – alles auf Royalties in der Front zu setzen – scheitert ebenso haeufig an Fouls.

Ein weiterer typischer Fehler betrifft die Surrender-Entscheidung bei Open Face. Die Faustregel beim 1-6 Scoring besagt: Aufgeben lohnt sich, wenn die Scoop-Wahrscheinlichkeit des Gegners ueber 40 Prozent liegt. Simulationen zeigen, dass dieser Schwellenwert nur in etwa sieben Prozent aller Haende erreicht wird. Die meisten Aufgaben erfolgen also zu frueh und kosten unnoetig Punkte.

Beim Pineapple unterschaetzen viele Spieler den Wert der abgeworfenen Karte. Sie merken sich nicht, welche Karten sie entsorgt haben, und verlieren damit wertvolle Informationen ueber verbleibende Outs. Professionelle Spieler notieren mental oder physisch, welche Karten aus dem Spiel sind – bei zwei oder drei Gegnern summiert sich das schnell auf 15 bis 24 Karten, die bekannt sind.

Varianten und Sonderregeln

Neben den etablierten Formaten existieren zahlreiche Hausregeln und regionale Varianten. „Low in the Middle“ dreht die Wertung der mittleren Hand um: Hier gewinnt das schwaechste Blatt. Die beste Middle Hand waere dann 7-5-4-3-2 in verschiedenen Farben. Diese Variante erhoeht die Komplexitaet erheblich, da Spieler gleichzeitig starke Back und Front Haende sowie eine schwache Middle anstreben muessen.

„Criss Cross“ wird heads-up gespielt, wobei jeder Spieler zwei komplette 13-Karten-Haende erhaelt. Jede eigene Hand tritt gegen beide Haende des Gegners an, was die Vergleiche verdoppelt. „Double Deck“ verwendet zwei gemischte Kartendecks und erlaubt mehr Teilnehmer. Bei dieser Variante sind theoretisch Fuenflinge moeglich, die in manchen Regelwerken wie ein Royal Flush gewertet werden.

Die Aces-Nebenwette ist ein optionales Zusatzspiel: Wer mehr Asse haelt als ein Gegner, erhaelt die Differenz als Bonuspunkte. Ein Ass bringt einen Punkt, zwei Asse zwei, drei Asse sechs und vier Asse acht. Diese Wette laeuft unabhaengig vom Hauptspiel und kann die Varianz zusaetzlich erhoehen.

Online-Moeglichkeiten fuer deutsche Spieler

Waehrend Chinesisches Poker in deutschen Spielbanken kaum anzutreffen ist, bieten verschiedene Online-Plattformen die Moeglichkeit zum Spielen. Mobile Apps wie Chinese Poker OFC Pineapple ermöglichen Partien gegen andere Spieler oder KI-Gegner. Woechentliche Turniere sorgen fuer einen kompetitiven Rahmen, in dem sich Spieler messen koennen.

Bei der Wahl einer Plattform sollten deutsche Spieler auf die Lizenzierung achten. Anbieter mit Genehmigung aus EU-Staaten wie Malta unterliegen strengen Regulierungen bezueglich Datenschutz und Fairness. Der Spielgeldmodus, den viele Plattformen anbieten, eignet sich hervorragend zum Erlernen der Regeln ohne finanzielles Risiko. Erst nach ausreichender Uebung empfiehlt sich der Wechsel zu Echtgeldtischen.

Browser-basierte Versionen wie auf Board Game Arena erfordern keine Installation und erlauben Spiele direkt im Webbrowser. Die Registrierung ist kostenlos, und Spieler aus aller Welt treffen sich dort zu Partien. Die Plattform unterstuetzt sowohl das klassische Open Face als auch Pineapple mit verschiedenen Scoring-Optionen.

Zukunft einer besonderen Pokervariante

Chinesisches Poker hat sich in den vergangenen Jahren als fester Bestandteil der Pokerkultur etabliert. Unter Profispielern dient es als beliebtes Nebenspiel waehrend Turnieren und hat eine eigene Szene mit spezialisierten Wettbewerben entwickelt. Die erste Open Face Chinese Weltmeisterschaft fand 2014 statt, und seitdem wurden weitere Events in diesem Format ausgetragen.

Fuer Einsteiger bietet das Spiel einen zugaenglichen Einstieg in die Pokerwelt. Die Abwesenheit von Setzrunden eliminiert viele Einstiegshueerden, waehrend die strategische Tiefe langfristige Beschaftigung garantiert. Wer die Regeln verstanden hat, kann sofort mitspielen und hat gegen erfahrene Gegner eine faire Chance – der Gluecksfaktor ist hoeher als bei Texas Hold’em, was Anfaengern entgegenkommt.

Die verschiedenen Varianten sorgen dafuer, dass keine Langeweile aufkommt. Vom klassischen Format ueber Open Face bis Pineapple mit Fantasyland findet jeder Spielertyp seine bevorzugte Version. Wer analytisches Denken, Wahrscheinlichkeitsrechnung und taktische Planung schaetzt, wird in Chinesischem Poker eine lohnende Herausforderung entdecken.